SV Empor Berlin Der Kiezclub

Empor-Talk #2 mit René Jahncke

24. Mai 2020
Unbenannt

René Jahncke - Spieler und Trainer

Liebe Emporianer,

nach der Erstausgabe ist vor der zweiten Ausgabe. Hierbei sprechen wir nun mit einem derjenigen, die mit am meisten in unserem Verein erlebt haben. Die Rede ist genauer gesagt von René Jahncke, mittlerweile seit 40 Jahren Mitglied, und immer noch aktiv als Trainer und Spieler im Seniorenbereich. Im Gespräch gibt er uns u.a. einen Einblick in seine unvergessenen Momente.

 

Empor-Talk – Ausgabe 2 – René Jahncke

 

Hallo René. Natürlich insbesondere aufgrund der Corona-Krise auch an Dich zunächst die Frage: Wie geht es Dir und wie kommst Du eigentlich ohne den Fußball zurecht?

Mir geht es soweit ganz gut. Aber bei 40 Jahren Empor und dann aus dem Kalten überhaupt kein Fußball mehr – da fehlt schon ein Stück Lebensqualität. Der Neustart ist zwar angelaufen, durch den Pflichtabstand aber sehr speziell. Dabei vermisse ich nicht nur das reguläre Fußballspielen selbst sondern auch das gemeinsame davor und danach.

 

1979 80 2.Knaben

1.Knaben - 1979/80

 

40 Jahre SV Empor, Respekt! Damit würdest du im Deutschen Bundestag sicher dem Ältestenrat angehören. Versuche doch mal bitte für unsere Leser, gerade auch für die jüngeren unter Ihnen, deinen Werdegang zu schildern!

Ich bin seit dem 01.02.1980 beim SV Empor Berlin, damals noch BSG Empor HO Berlin. Ich habe als Spieler bei den Knaben angefangen, was der heutigen D-Jugend entspricht. Von da an bin ich alle Altersklassen durchlaufen: Schüler (heute C-Jugend), Jugend (heute B-Jugend), Junioren (heute A-Jugend), Herren, Senioren, Ü40 und mittlerweile Ü50. Als Trainer bin ich nicht ganz so lange dabei, genau genommen seit Februar 1986. Dabei war der Werdegang ähnlich: 3.Knaben, 1.Knaben, 2.Schüler, 1.Schüler, B-Jugend, A-Jugend, 2.Herren, Senioren, 2. 7er Alt, 1. 7er Alt und mittlerweile im fünften Jahr bei den 7er Senioren. Des Weiteren war ich über 20 Jahre im Vorstand aktiv und bin mittlerweile Ehrenmitglied.

 

Ganz sicher ist in diesen vielen Jahren und den unzähligen Spielen so einiges passiert, was aufgrund der Dramatik, Emotion, des Erfolges oder schlicht einer Kuriosität für immer in Erinnerung bleibt und natürlich in deinem Archiv festgehalten ist. Wir möchten Dich nun vor die Qual der Wahl stellen. Welche drei Momente sind Dir unvergessen geblieben, von denen jedes Empor-Mitglied einmal gehört haben sollte?

Da fällt mir zuerst das Jahr 1997 ein. Ich war als Trainer für unsere A-Junioren verantwortlich und wir hatten ein Relegationsspiel um den Aufstieg in die Landesliga, der damals höchsten Spielklasse Berlins, gegen den Mariendorfer SV zu bestreiten. Wir lagen zur Halbzeit 1:3 zurück, kassierten in der 46. Minute das 1:4, schafften aber noch das 4:4 und gewannen letztlich nach einem dramatischen Elfmeterschießen 11:10. Als Spieler waren übrigens unser Abteilungsleiter Paul Kling und Kevin Buschow, der derzeitige Trainer unserer 2.Herren dabei.

Der spektakuläre Klassenerhalt unserer 1.Herren unter Rudy Raab in der Berlin-Liga im Jahr 2009 gehört auch dazu. Wir erzielten nach 0:2-Rückstand bei Spandau 06 mit dem Schlusspfiff den 3:2-Siegtreffer. Gleichzeitig trennten sich die direkten Konkurrenten Charlottenburg und Makkabi mit dem notwendigen Unentschieden 1:1 und Nordost verlor 1:3 gegen Stern 1900, wodurch Empi wegen des besseren Torverhältnisses die Klasse hielt.

2017 18 32er KF Spieler2

Ü32 - Berliner Meister 2017/18

Aber auch das Jahr 2016 bleibt mir besonders in Erinnerung. Als Torwart stand ich mit unseren 7er-Senioren im Pokalfinale gegen den BFC Dynamo. Wir glichen in letzter Minute zum 2:2 aus. Torschütze war Katsu, der den meisten auch als Nachwuchstrainer bekannt sein dürfte. Das fällige Neunmeterschießen haben wir dann 5:4 gewonnen und wurden 1. Berliner Pokalsieger der 7er-Senioren, kräftig unterstützt von den Jungs des Empi-Pöbelberg`s.

 

Nach diesen historischen Einblicken wollen wir nun in die aktuelle Lage springen. Was treibt Dich nach wie vor an, Dich ehrenamtlich beim SV Empor zu engagieren? Was macht Empor für Dich aus bzw. besonders?

Empi ist einfach im Laufe der Zeit Teil meines Lebens geworden. Dabei habe ich nicht nur sportlich als Spieler und Trainer meiner Mannschaften Etliches erlebt. Die Entwicklung der ganzen Fußballabteilung war schon aufregend und herausfordernd. Da ist einerseits der Herrenbereich, angeführt von unseren 1.Herren, die mittlerweile zum Inventar der Berlin-Liga zählt. Andererseits liegt mir auch der Nachwuchs stets am Herzen. Gerade nach der Wende war es eine besondere Herausforderung, unseren Jugendbereich, der bis auf ganze 4 Mannschaften geschrumpft war, wieder aufzubauen. Das gelang insbesondere zusammen mit unserem derzeitigen Geschäftsführer Carsten Maaß.

Insgesamt gesehen hatte ich es bisher mit Hunderten von Spielern zu tun. Gemeinsame Aktionen wie Trainingslager, Mannschaftsfahrten und andere Teamevents bleiben natürlich in Erinnerung. Dabei sind auch dauerhafte Freundschaften entstanden. Aber etwas ganz Besonderes ist es zu sehen, was aus Spielern geworden ist, die man gerade im Jugendalter trainiert hat, sowohl sportlich, aber auch beruflich oder familiär. Dabei finden vor allem unsere 7er-Senioren Erwähnung. Trainiert habe ich einen Großteil in der C-Jugend und bin im fortgeschrittenen Alter als Torwart mit ihnen sowohl Berliner Meister als auch Pokalsieger geworden. Scheint einiges hängengeblieben zu sein. ;-)

Aber auch Andreas Salzburg und Olli Rose müssen genannt werden. Ihnen würde es sicher nicht sofort einfallen. Aber mit beiden habe ich sowohl vor 39 Jahren bei den Schülern (heute C-Jugend) zusammen gespielt als auch, inzwischen mit unseren Fuffis, mein letztes „Vor-Coronaspiel“ am 06.03. diesen Jahres.

Es sind einfach diese besonderen Erinnerungen, die mich treiben, bei Empi weiterzumachen.

 

Du nennst vor allem das gemeinsame Miteinander mit Freunden und Bekannte, worauf wir aktuell ja schweren Herzens verzichten müssen. Wie bleiben denn eigentlich unsere Senioren untereinander in Kontakt?

Wir zählen zwar noch nicht zu den besonders gefährdeten Risikogruppen. ;-) Trotzdem beschränken sich unsere mannschaftlichen Aktivitäten leider auf Telefon- und Videokontakte, speziell zu Geburtstagen bzw. für gelegentliche Fußballquizrunden.

 

2

René Jahncke bei den Senioren

Und abschließend wollen wir nun noch einen Blick in die Zukunft werfen. Was würdest Du Dir stellvertretend für die Senioren für die Zukunft wünschen?

Ich glaube, nicht nur die Senioren wünschen sich, dass wir endlich wieder ohne jegliche Kontakteinschränkungen und mit regulärer Spieleranzahl Fußball spielen dürfen, auch wenn es erstmal nur Training wäre. Akzeptable sanitäre Bedingungen wie Kabinennutzung einschließlich duschen und Toilettennutzung sollten ebenso wie die Aufnahme des regulären Spielbetriebes folgen. Ein besonderes Bonbon wäre die Parkplatznutzung. ;-)

Für mich selbst wünsche ich, dass noch so einige zu meinen bisher 1170 Spielen für Empor dazukommen.

Zuallererst hoffe ich allerdings, dass alle einschließlich ihrer Familien bestmöglich durch die Coronazeit kommen, insbesondere gesundheitlich, was zur heutigen Zeit sicher jeder nochmal besonders zu schätzen weiß.

 

Vielen Dank für deine Zeit, und hoffentlich bis ganz bald wieder auf dem Platz!