SV Empor Berlin Der Kiezclub

Empor-Talk #5 mit Frank Lehnert - Teil 1

30. Dezember 2020
Empor Talk 5 Lehnert Teil 1

Frank Lehnert - Jugendleiter, Spielbetriebsleiter & Meistertrainer der Dritten

Empor-Talk #5 mit Frank Lehnert - Teil 1

Liebe Emporianer,
wir hoffen, Ihr alle hattet trotz der besonderen Umstände ein schönes Weihnachtsfest und seid in den Tagen zwischen den Jahren ein bisschen zur Ruhe gekommen.

Wir waren weiter fleißig und die neue Ausgabe des Empor-Talks ist fertig. In Ausgabe #5 sprechen wir mit Frank Lehnert, unserem "Mann für alle Fälle". Frank hat so einiges erlebt, deshalb wird das Interview in zwei Teilen veröffentlicht.

Viel Spaß beim Lesen des ersten Teils des Interviews!
Und natürlich allen einen guten Rutsch ins neue Jahr 2021!

Gemeinsam Empor
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Hallo Frank,

wir hoffen Du hattest trotz der Einschränkungen ein schönes Weihnachtsfest! Mittlerweile ruht leider seit einigen Wochen der Ball. Wie kommst Du mit der aktuellen Situation zurecht? Mit den Kids war bis kurz vor Weihnachte ja zumindest noch Einzeltraining möglich.

Dankeschön. Ja, auch wenn es in diesem Jahr ein bisschen anders war, waren es dennoch ein paar schöne Tage der Ruhe und Besinnlichkeit mit der Familie.

Richtig. Ich habe in der Zeit für meine Jungs der C-Jugend ein Einzeltraining organisiert, vor allem um persönlich in Kontakt zu bleiben. Für die Kinder bis 12 Jahre war sogar ein Training in festen Gruppen möglich. So war es nicht ganz so schlimm wie im Frühjahr. Das war damals eine sehr harte Zeit für mich und ich hoffe, dass sich die Situation im neuen Jahr bald entspannt. Auch, um an den Wochenenden dann alsbald wieder Spiele unserer Empor-Teams im Jahn-Sportpark sehen zu können, statt den Fußball nur noch im Fernsehen zu verfolgen.

Außerdem vermisse ich wirklich die traditionellen Traineressen freitags, bei denen wir uns in gemütlicher Runde auf das Wochenende eingestimmt haben.

 

Wie immer wollen wir unseren Lesern*innen einen Einblick in eure jeweiligen Aufgaben bei Empor geben. Du bist bei Empor angestellt und somit quasi rund um die Uhr im Jahn-Sportpark tätig und mit dem Verein beschäftigt. Wie kann man sich eine klassische Woche bei Dir vorstellen und welche Aufgaben fallen dort mitunter so an?

Genau. Ich bin bei Empor angestellt und habe als Jugendleiter und Verantwortlicher für den Trainings- und Spielbetrieb einerseits eine Vielzahl von administrativen Aufgaben, andererseits bin ich als Trainer und Spieler auch an den Wochenenden aktiv dabei. Eine klassische Arbeitswoche gibt es daher in dem Sinne nicht.

Zu organisieren ist in unserem großen Verein so Einiges. Ich kümmere mich um den Trainings- und Spielbetrieb, der mit all unseren Trainern, der Stadionverwaltung und dem BFV abzustimmen ist. Weiterhin fallen die gesamte Mitgliederverwaltung, vom Kindersport bis hin zu den Senioren, sowie die Bestellungen von Materialien für den Trainings- und Spielbetrieb in meinen Aufgabenbereich.

Und nicht zu vergessen ist die Organisation und Durchführung unserer beliebten Empor-Feriencamps! In insgesamt 11 Durchgängen pro Jahr bieten wir dort für viele Kids ein tolles Ferienangebot an. Dank unseres erarbeiteten Hygiene-Konzepts war es uns trotz Corona möglich, die Camps auch in diesem Sommer und Herbst durchführen.

Viele Aufgaben also, die mein Smartphone eher nur selten zum Ausruhen kommen lassen. Dafür kann ich diese Dinge aber zeitlich relativ flexibel oder auch von zu Hause erledigen.

Insgesamt ist der „bürokratische“ Aufwand inzwischen aber sehr groß, sodass ich nach vielen Jahren erstmals im sportlichen Bereich ein wenig kürzer trete und keine Leistungsmannschaft betreue. Das Training mit den Jungs der 3.C/4.C als eine große gemeinsame Gruppe sowie mit den 3. Herren bereitet mir aber auch sehr viel Freude. Und wenn ich dann noch Zeit und Lust habe, spiele ich freitags bei den Senioren in der Ü32 oder Ü40 noch selbst.

 

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Pokalfinale mit den Ü32-Senioren in der Saison 2018/19 (Bild links) und in Aktion bei der Dritten (Bild rechts)

 

Als Jugendtrainer und Erfolgscoach der 3. Herren bist Du im Verein ja allseits bekannt. Bevor wir aber darauf zu sprechen kommen, möchten wir einmal zum Beginn deiner fußballerischen Laufbahn zurückspulen. Wie und wann bist Du zum Fußball bzw. zu Empor gekommen und bis wohin hat es für Dich selbst als Aktiver gereicht? Wobei du ja nach wie vor aktiv dabei bist.

Angefangen hat alles auf dem Bolzplatz am Arnimplatz, wo jeden Tag gespielt wurde bis es dunkel wurde. In den Vereinsfußball bin ich dann erst verhältnismäßig spät mit 12 Jahren gekommen.

Bei der BSG Berliner Brauereien (heute Berliner TSC) habe ich dann bei den 2.Knaben (D-Jugend) begonnen. Zu der Zeit spielten Empor und Brauer gemeinsam im  Jahn-Sportpark und teilten sich die Plätze, wobei Empor schon damals leistungsstark war und in den höheren Spielklassen agierte. Ende 1991 wechselte ich dann in der B-Jugend mit einigen Mitspielern erstmals zu Empor, da unser Team mangels Spielern abgemeldet wurde. Im Herrenbereich ging es dann für 3 Jahre nochmals zurück zu Brauereien, aber seit April 1997 bin ich nunmehr durchgehend bei Empor.

Nach zunächst vielen Jahren in der 2.Herren, fasste ich dann selbst den Entschluss in die 3.Herren zu wechseln um dort mehr zu spielen.

Im Mai 2002 bin ich aber auch zu einem Einsatz in der 1.Herren (damals Bezirksliga) gekommen! Für das Spiel in Staaken war die Spielerdecke sehr dünn und scheinbar war ich der einzige, der dort raus fahren wollte. 30 Minuten Einsatzzeit und ein 1:1 stehen also auch dort in meiner Vita!

Der 3.Herren bin ich seitdem treu geblieben, zunächst als Spieler und später als (Spieler-) Trainer. In der letzten Zeit sind die eigenen Einsätze durch viele kleinere Verletzungen aber immer weniger geworden. Dennoch habe ich in den letzten beiden Saisons bei der Dritten, der Ü32 und der beiden Ü40-Mannschaften für insgesamt vier Empor- Teams auf dem Spielfeld gestanden.

 

Nun also zum Kerngeschäft, deinem Trainerdasein. Als erstes wollen wir dabei mit Dir auf deine Arbeit im Jugendbereich blicken. Du hast ja insgesamt sehr viele Mannschaften betreut - wie viele eigentlich? Wann hast Du angefangen, als Trainer tätig zu werden? Und wer waren deine Wegbegleiter?

Dann wollen wir mal loslegen! Wie viele Jugendteams es insgesamt waren, bringe ich leider nicht zusammen. Begonnen hat alles jedenfalls im Oktober 1993, als ich mit 16 Jahren Co-Trainer unserer C-Jugend wurde. Damals war Empor noch völlig im Neuaufbau und verfügte nur über 4-5 Mannschaften. Ohne jegliche Erfahrung wurde dann so trainiert, wie man es am Besten wusste. Der Respekt der Jungs war trotz des geringen Altersunterschieds da, aber ansonsten ist das gesamte Drumherum mit heute nicht mehr zu vergleichen. Relativ schnell habe ich dann auch komplett die Verantwortung als Trainer übernommen und mir meinen eigenen Weg gebaut. Im Nachhinein betrachtet würde ich sagen, dass Vieles recht vernünftig lief.

Auf dem Weg haben natürlich einige Personen die Zeit besonders geprägt. Als ständiger Begleiter ist fraglos Nico Munkewitz zuerst zu nennen, den ich schon aus dem Sandkasten kenne und mit dem mich seither eine echte Männerfreundschaft verbindet. Gemeinsam haben wir viele Mannschaften trainiert und konnten einige Erfolge & Aufstiege feiern. Ebenso gehört Carsten Maaß dazu, der den Aufbau der Empor-Jugend maßgeblich vorantrieb und mir damals die erste Traineraufgabe anvertraute.

Weiterhin prägte mich auch die „Empor-Legende“ René Jahncke, der mein erster Trainer in der B-Jugend und anschließend in der 2. Herren war.

 

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Mannschaftsfoto der 2.Herren aus der Saison 1999/2000 unter Trainer René Jahncke

 

Inzwischen ist Empor wie eine große Familie für mich und man ist so einigen Personen, wie u.a. Hardy, Marco Hahn, Matze Stricker und vielen mehr, eng verbunden. Genauso freut man sich, wenn ehemalige Spieler wie Yannick Hoechst und Joseph Aulich auch die Trainer-Laufbahn einschlagen und inzwischen gemeinsam unsere U19 trainieren. Aber auch ehemalige Kollegen, wie u.a. Brian Wiesjahn, Germar Schenk und Michael Czernetzki, sind mir nach wie vor in guter Erinnerung.

Mittlerweile sind auch die ersten Kinder von ehemaligen Spielern bei Empor aktiv, so schließt sich dann der Kreis. Auch wenn man beim Exer-Pokal den ein oder anderen trifft, den man selbst trainiert hat, freut einen das Wiedersehen. Oder aber man tritt plötzlich auf dem Platz gegeneinander an, wenn man bei den Senioren mitspielt. Das sind tolle Überraschungen, auch wenn es zunächst ein bisschen ungewohnt ist.

 

In dieser langen Zeit konntest Du mit den verschiedenen Mannschaften zahlreiche Erfolge feiern! Erinnere Dich doch bitte mal an einige bewegende Momente zurück und lass uns alle daran teilhaben!

Erfolge gab es in den insgesamt 27 Jahren natürlich auch reichlich. Der erste davon ereignete sich mit dem Jahrgang 1981/82 mit dem Aufstieg in die damals höchstmögliche Spielklasse.


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Der erste Aufstieg - Mannschaftsfoto der U16 in der Saison 1997/98 (Jahrgang 1981/82)

 

Auch mit dem Jahrgang 1985 ging es hoch her. Erst verpassten wir in der C-Jugend den Aufstieg in die Verbandsliga, den wir ein Jahr später in der B-Jugend dann aber nachholten. Leider konnten wir in der darauffolgenden Saison sportlich absolut nicht mithalten und stiegen mit nur einem Sieg in der gesamten Saison wieder ab. Dafür entwickelten sich aber in der Mannschaft viele Freundschaften, die bis heute noch bestehen.

 

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Sehr erfolgreich, aber knapp nicht aufgestiegen - die U15 aus der Saison 1999/2000 (Jahrgang 1985)

 

Wenige Jahre später spielten wir mit Empor dann auch mit der C-Jugend in der Verbandsliga eine gute Rolle, in der damals noch alle Berliner Top-Teams mitspielten. So gelang mit dem Jahrgang 1989/90 zunächst der Aufstieg und andererseits auch der Einzug ins Pokal-Halbfinale. Mein Co-Trainer damals war übrigens Kevin Buschow, unser langjähriger Trainer der 2. Herren, der bereits 1993 mein damaliger Kapitän war und wir sowohl als gemeinsame Mitspieler in der 2. Herren als auch als Trainergespann eine enge Verbindung hatten.

 

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Aufstieg in die Verbandsliga und Pokalhalbfinale mit der U15 im Jahr 2003/2004 mit Co-Trainer Kevin Buschow

 

Eines der legendären Spiele erlebte ich dann mit dem Jahrgang 1992, als wir Hertha BSC mit dem gleichen Jahrgang die einzige Niederlage zufügen konnten. Ein überragender Torwart Nikola Vogel und ein Tor des Monats in den Winkel durch Labinot Sopa sorgten für die Sensation. Außerdem konnten wir mit diesem Jahrgang auch die erstmals ausgespielte Futsal-Hallenmeisterschaft gewinnen.

 

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Der Jahrgang 1994 erreichte mit dem 6.Platz die bislang beste Platzierung in der C-Jugend-Verbandsliga.

 

Ebenso mit dem Futsal-Titel dekoriert und darüber hinaus mit dem 6. Platz in der U15-Verbandsliga die bislang beste Platzierung erreicht, war der Jahrgang 1994. In dieser Mannschaft waren mit Arnaud Salla und Paul Malzahn u.a. auch zwei heutige Spieler der 1. Herren. 

 

Fortsetzung folgt! Der zweite Teil wird im neuen Jahr veröffentlicht. Dann geht es u.a. um die größten Talente Empors und die Erfolgstruppe der Dritten!